heinzka1
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Soeben lese ich den Bericht über Albert Trummers Apothéke Bar in New York City. Und nach genauerer Überlegung ist mein verständnisloses, amüsiertes und kopfschüttelndes Lächeln einer besorgten, stirnrunzelnden, leicht grollenden und, zugegebenermaßen etwas beleidigten Unwilligkeit gewichen, diese Anmaßung unwidersprochen hinzunehmen:

Sehr geehrter Herr Trummer
Zur Klarstellung:
"Apotheker" ist eine Berufsbezeichnung, die nur derjenige führen darf, der ein abgeschlossenes Pharmaziestudium nachweisen kann, dem, zumindest in Österreich, eine einjährige praktische Ausbildung in einer öffentlichen Apotheke mit anschließender Praxisprüfung folgen muß.
Die Aufgabe eines Apothekers ist es, Gesundheit mit Hilfe von Medikamenten zu erhalten oder wiederherzustellen, die im Apothekenbetrieb auf Qualität und Reinheit geprüft und in in allen Schritten ihres Herstellungsprozesses überwacht und kontrolliert werden, und zwar nach internationalen, wissenschaftlich und gesetzlich festgelegten Standardverfahren.
Die Patienten können heutzutage zu Recht darauf vertrauen, daß sie in der Apotheke nur geprüfte Qualitätsware bekommen und von kompetentem, ausgebildeten Fachpersonal beraten werden.
Unterziehen Sie Ihre Kräuter und Elixiere diesen Prüfverfahren?
Beschäftigen Sie ausgebildetes Personal?
Haben Sie ein abgeschlossenes Pharmaziestudium?
Apotheker haben, so wie Ärzte, täglich mit kranken Menschen zu tun, manchmal mit sehr schwer kranken, die Angst haben - um ihre Gesundheit, manchmal um ihr Leben. Diese Menschen müßen ihr Schicksal in die Hände von Ärzten, Apothekern, Krankenschwestern, Therapeuten usw. legen, sie müssen diesen Leuten vertrauen, da sie keine andere Wahl haben. Dieses Vertrauen ist daher naturgemäß sehr labil und störungsanfällig und darum sehr kostbar. Man muß extrem vorsichtig und einfühlsam damit umgehen um es nicht zu mißbrauchen.
Sind Sie dieses Vertrauens würdig?
Die Tatsache, daß Sie sich, Ihre "Elixiere" und "altertümlichen Heilmittel" in dieser Weise präsentieren können, ohne daß man Sie wegen Quacksalberei in den modrigen Kerker wirft, beruht allein auf der Tatsache, daß man in der heutigen, modernen Zeit nicht mehr an den Umgang mit Quacksalbern gewohnt ist und die Sensibilität dafür verloren hat. Man vertraut Ihnen, daß Sie die dafür notwendige Kompetenz und Qualifikation besitzen, weil das heute selbstverständlich ist. Ich spreche Ihnen aber ebendiese Kompetenz und Qualifikation ab. Sie mißbrauchen das Vertrauen Ihrer Gäste.
Zugegeben, das ist ein bisschen überzeichnet dargestellt, aber Sie "garnieren" Ihre Getränke mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen und machen Heilversprechen die Sie nicht halten können. Ihre Gäste nehmen das für bare Münze, das ist kein Spaß.
Alchemie, geheimnissvolle, unglaubwürdige, undurchschaubare, unwirksame und zweifelhafte, eventuell sogar gesundheitsschädliche Methoden und Heilmittel, selbsternannte Wunderheiler und Quacksalber sind Gott sei Dank weitgehend im Mittelalter zurückgeblieben.
Sie katapultieren sich ohne Zwischenstopp wieder dort hin und reihen sich dort stolz lächelnd in die die Reihen der Ahnungslosen ein.
Ihr Wissen und Ihr Können im Barbereich unbenommen, aber ein bisschen zu recherchieren, sich mit Kräutern zu beschäftigen, sich den Nimbus des Geheimnissvollen zu geben und sich gut zu verkaufen ist eine Sache, aber sich deshalb als Apotheker zu bezeichnen ist Hochstapelei und Kurpfuscherei.
Und das ist eines Bartenders nicht würdig und eine Beleidigung für alle echten Apotheker, die im Schweiße ihres Angesichts eines der komplexesten und schwierigsten naturwissenschaftlichen Studien abgeschlossen haben.
Tun Sie das, was Sie anscheinend hervorragend können - machen Sie Bar, und ich wünsche Ihnen dabei allen Erfolg der Welt, aber bitte machen Sie sich nicht lächerlich.

Mag.pharm. Heinz Kaiser
Apotheker und Barchef Dino's American Bar, Wien

Solveig Büchel
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Re: Apothéke Bar New York

Hallo ich finde diese Idee gut.Als ich gelernt habe ,sagte mit mein Ausbilder: Ein guter Barkeeper ist wie ein Arzt,man muß für alles etwas parat haben.(Auch für die Seele) Ein Heilpraktiker ist auch kein anerkannter Beruf.Und gegen jegliches Wehwehchen gibt es in der Natur ein Kräutlein.Es bedarf nur etwas Interesse,diese Kräuter zu kennen,die Wirkungsweise zu wissen und die Kräuter zu verarbeiten und anzuwenden.Die wahre Kunst ist,das auch geschmacklich gut aufzuarbeiten.

heinzka1
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Re: Apothéke Bar New York

Heilpraktiker ist ein anerkannter Beruf. Und es geht auch nicht um die Idee sondern die anmaßende Form der Umsetzung. Lies den Beitrag nochmals ich habe klar formuliert worum es geht.

Solveig Büchel
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Re: Apothéke Bar New York

Du hast ja recht aber Werbung ist ja alles heute

heinzka1
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Re: Apothéke Bar New York

Stimmt leider und genau deshalb hab ich den Beitrag geschrieben, weil es bei allem immer mehr nur um die Form und äußere Hülle als um den Inhalt, das Wissen und das Können geht und mir meine beiden! Berufe dafür zu kostbar sind.
LG Heinz

Solveig Büchel
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Re: Apothéke Bar New York

Du hast völlig recht.Leider tummeln sich in unseren Metier absolute Blender.Aber ich glaube langfristig zahlt sich Wissen aus .(Stammgäste)LG

Solveig Büchel
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Re: Apothéke Bar New York

Sorry kann besser mit Kräutern umgehen als mit dem PC.LG

Dominik Falger
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Re: Apothéke Bar New York

Hey Guys

watch it

http://www.youtube.com/watch?v=bv2iGVPDKo8

Regards

Dominik

--

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Dario Strittmatter
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Re: Apothéke Bar New York

Lieber Herr Kaiser,

da verstehe ich Ihre Aufregung nicht so ganz.
Wortspielerein haben doch nicht mit Verleumdung oder gar Lächerlichmachung zu tun.
Ich finde auf Ihrer Karte einen Drink, der sich Apotheke nennt. Muss man jetzt Apotheker sein um diesen zu mixen? Muss er in einer Apotheke von einem Apotheker erfunden worden sein? Darf er nur von Antoine Peychaud ausgeschenkt werden? Oder muss er seinen - zugegeben übertragenen - Sinn erfüllen und "up pick'en"? Ich denke lediglich letzteres muss erfüllt sein.
Ich finde, was Herr Trummer macht eine schöne, saubere, leidenschaftliche Sache - und ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Gäste denken, sich in einer Apotheke zu befinden.

Herzliche Grüße

Dario Strittmatter
Zivildienstleistender des Regionales Ausbildungszentrums, Ulm

michael.matters...
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Re: Apothéke Bar New York

Herr Bühel. Man muss schon auch ab und zu ein wenig aufpassen. Herr Kaiser hat schon auf einer Seite recht, aber ich denke schon, das vielleicht der Eintrag ein wenig zu übertrieben ist. Aber naja.
Eines muss man sagen. Egal wer Herr Trummer mag oder nicht (er hat eine lange Vorgeschichte und in Österreich sind einige Leute nicht so gut zu sprechen), aber solch ne Person Blender zu nennen ist weitaus übertrieben. Sich in New York einen solchen Namen zu erarbeiten, was sich Trummer erarbeitet hat, sollten Sie eher mal den Hut ziehen, als unwissend Kommentare über Leute zu schreiben, die Ihnen nichts sagen. Eine Recherche wäre da ab und zu gut. Heute spricht man über Liquid Kitchen und Cuisine Style. Auf diesen Stil arbeitet Trummer schon sicher über 10 Jahre. Da haben viele nicht mal gewusst, was mit Kräutern anzufangen ist. In Europa haben da mal die meisten Bars Pina Colada geschüttelt und Caipis gestampft. Nichts gegen die Drinks. Was auch immer, aber es kann auch nicht sein, dass heute jeder alles zu bemängeln hat.
Wie gesagt. Eher die Zeit in die Gäste investieren, dass es Stammgäste werden.

Ich denke, das dieses Interview ein besseres Bild von Trummer gibt.

http://www.youtube.com/watch?v=shXOa7y5h2E

michael.matters...
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Re: Apothéke Bar New York

Einen Artikel von 2001.

http://www.kingcocktail.com/Theme-Bar%20Chef.htm

Dominik Falger
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Re: Apothéke Bar New York

nun michi wie immer sind deine Recherchen vom feinsten,

beides schöne videos, Ich denke auch das diese Videos und zwar alle, unseren Herrn Trummer von seiner seite Zeigen als Barkeeper. Ich find seine sache gut, die er macht, Es ist mal etwas anderes, und wie Herr Strittmatter schon gesagt hat, kann ich mich nur anschließen.

Grüße Dominik

--

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heinzka1
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Re: Apothéke Bar New York

Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen:
Mein Beitrag bezieht sich auf den Artikel über die Apotheke Bar in der Dezemberausgabe von Mixology.
Weder die Idee des Herrn Trummer, noch das Konzept der Bar, noch das Herstellen von Extrakten, Infusen o.ä. in der Bar sind meine Kritikpunkte. Im Gegenteil, mir gefällt die Idee der Apotheke Bar sehr gut und ich erachte die Arbeit von Herrn Trummer als beispielgebend und richtungsweisend. Außerdem bin ich selbst ein glühender Verfechter der Eigenherstellung von Infusen, Bitters, Likören, Extrakten usw..
Meine Kritik beschränkt sich auf zwei klar begrenzte Punkte und nichts anderes erwähne ich in meinem Beitrag:
1. Herr Trummer bezeichnet sich als Apotheker und das geht über einen Werbegag oder "Verkaufsschmäh" zu weit hinaus.
Jedem wird wohl klar sein, daß man sich nicht als Arzt bezeichnen darf, auch nicht, wenn es offensichtlich ist, daß nur das Konzept eines anderen Vorhabens damit unterstützt werden soll. Mit der Bezeichnung Apotheker verhält es sich genauso.
2. Er überschreitet die Grenze zwischen Genuß -u. Heilmittel indem er mit seinen Drinks eine "gesundende" also heilende Wirkung verspricht. Und abgesehen davon, daß solche Heilversprechen gesetzlich verboten sind, was Herr Trummer wahrscheinlich gar nicht weiß, schießt er meiner Meinung nach durch diese zwei Fehler weit übers Ziel hinaus.
Das aufzuzeigen war Ziel meiner Kritik, und obwohl ich den Beitrag bewußt scharf formuliert habe, um Resonanz zu erzielen, herrscht meinerseits weder Aufregung noch Ärger, und ich bin weit davon entfernt die sonstige Arbeit des Herrn Trummer zu bemängeln oder minder zu schätzen.

Ich würde mir wünschen, daß Ihr das in Euren Kommentaren berücksicht um Fehlinterpretationen möglichst zu vermeiden.
Danke
Heinz Kaiser

michael.matters...
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Re: Apothéke Bar New York

Meine Kritik galt nicht Ihnen Herr Kaiser. Ich selbst war ja schon bei Ihrer Bar und denke Sie auch richtig einzuschätzen. Bitte nicht falsch verstehen. Ich kann Ihren Punkt auch verstehen.
Mein Eintrag galt eher Herr Büchel, der einfach zu diesen Thema was schrieb, was mir nicht so gut gefallen hatte. Man muss schon ab und zu aufpassen, wen man als Blender beschreibt. In diesen zusammenhang wurde einfach Trummer damit angegriffen und das finde ich nicht als richtig. Ich hatte Trummer nie persönlich kennengelernt, aber sein Ruf ist auf jeden Fall in den USA sehr gut.
Herr Kaiser keinerlei Kritik gegen Ihren Eintrag.
Besten gruss aus Berlin

Solveig Büchel
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Re: Apothéke Bar New York

Hallo Herr Matters,
Ich habe ja nicht Herrn Trummer mit Blender gemeint,sondern festgestellt,dass sich in der Branche eine Menge Blender befinden.Bitte meinen ersten Beitrag lesen,da habe ich die Apothekenidee gelobt.
LG Frau Solveig Büchel

michael.matters...
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Re: Apothéke Bar New York

Dann sind wir alle wieder Freunde und einer Meinung. Nichts für ungut.

Alchemyst
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Re: Apothéke Bar New York

Durch Christian Niefangers Cocktailwelten Blog
http://cocktailwelt.blogspot.com/2008/12/von-apotheken-und-bars.html
wurde ich über diese interessante Diskussion informiert.
Ein paar Gedanken von meiner Seite als Apotheker und Cocktailenthusiast:
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Eine meiner Signaturen im Cocktailforum lautet:
"Messen, mischen, rühren wird zum ... führen."

Ja, zu was denn führen?
Dieselben Zutaten: Kräuter, Blätter, Blüten, Öle, Tinkturen,
Sirupe, Elixiere, Auszüge etc. können für Heil- wie für Genussmittel
verwendet werden. Das haben Apotheker früherer Zeiten erkannt und
waren deshalb auch Vorreiter bei der Entwicklung so mancher Spirituose.
Warum sollten sie Ihre Kompetenz und ihre pharmazeutischen Fertigkeiten
nicht dafür nutzen? Zum Beispiel bei den Bitters sind die Grenzen
zwischen Heil- und Genußmittel fliessend und haben sich in den
Cocktailbereich verschoben. Why not?
Diese Seite der Dinge versteht jeder und stellt niemand in Frage.
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Wenn es jetzt also ein Flashback gibt und der Barbetreiber Trummer
seine Bar als Apotheke vermarktet,
so ist das zwar im deutschsprachigen Raum zu recht abmahnfähig,
aber für die USA scheint es mir eine clevere Marketingidee zu sein.
Ich sehe das mehr als witzige, etwas exotische Ausnahmeerscheinung
(die Bar heisst ja Apothéke und nicht Pharmacy oder Drug-Store) .
Ich würde die Sache nicht so hoch hängen.
Wahrscheinlich hätte er als Druide mit Zaubertränken einen ähnlichen Erfolg...
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Heinz Kaisers Ansatz, mit der er Trummers "Grenzüberschreitung"
rügt und hinterfragt, teile ich im Grundsatz.
Seine Ansatzpunkte sind berechtigt, die Erklärungen sind stichhaltig.
Bei "Amtsanmaßung" und Heilversprechen hört der Spaß auf.
Aber..., ich traue den Amerikanern zu, Trummers New Yorker Apothéke Bar
als das zu erkennen, was sie ist: Kein Tempel für Heilmittel,
sondern................................................. Erlebnisgastronomie.