Hallo,
ich interessiere mich zur Zeit viel für den klassischen Martini-Cocktail und experimentiere da zu Hauseherum. Dazu hätte ich folgende 2 Fragen an die Expertenrunde:
-Kühlt man eigentlich den Vermouth im Kühlschrank? (also z.B. den Noilly Prat). Oder bewahrt man ihn wie den Gin bei Zimmertemperatur auf?
-Gibt es eine vorherrschende Meinung darüber, wie man mit der Olive verfährt? Also: sofort essen/aus dem Glas nehmen, bevor man den Martini trinkt, oder: möglichst lange "ziehen" lassen, das heisst den Stick während dem Trinken im Glas lassen?
Freu mich auf Eure Antworten. Danke
Martinez

Hallo Martinez,
das Kühlen von Wermut und Gin ist in vielen Bars (die den dafür notwendigen Platz haben) Usus. Manche bewahren sie sogar im Tiefkühler auf.
Letzteres ist vor allem für den "In & Out-Martini" notwendig, den z.B. in London viele Bars praktizieren. Dabei wird ein gefrostetes Martiniglas mit einem Schuss tiefgekühltem trockenen Wermut "ausgewaschen" (rinse) und dann mit ca. 6 cl tiefgekühltem Gin befüllt.
Eine tiefere Spirituosentemperatur begünstigt auch bei der "normalen" Zubereitungsmethode im Rührglas auf Eis das Cocktail-Ergebnis.
Die Olive ist in den Augen vieler Puristen kein Muß im Martini. Die Ursprungsvarianten des Drinks listen nur eine Zitronenzeste. Viele Bartender waschen daher auch die Olive vorher ab, bevor sie in den Drink kommt, damit kein Olivenwasser den Drink "verölt".
Anders wiederum ist dies bei Liebhabern des Dirty Martini, die gerade einen Schuß Olivenwasser als göttliche Zutat ihres Martinicocktails betrachten.
Das mit dem "ziehen lassen" kannst Du getrost vergessen. Bis die Olive Geschmack abgibt (wenn überhaupt), dürfte Dein Drink längst Zimmertemperatur haben.
Prosit,
Helmut.
Vielen Dank Helmut,
das war genau das was ich wissen wollte. Das mit dem Kühlen ist interessant: da auch in guten Bars die Spirituosen immer batterieweise im Regal stehen, bin ich davon ausgegangen, dass zum Beispiel ein Bombay Sapphire Raumtemperatur haben muss und nur das Eis im Rührglas und der vorgeeiste Kelch für die Kälte sorgen. Ich dachte, dass sich die Aromastoffe des Gins nur entfalten können, wenn er vorher eine normale Temperatur hatte. Um so besser, wenn man ihn kaltstellen kann, denn zum Genießen ist es wirklich wichtig, dass die Mischung eine schöne Kälte hat....
Liebe Grüße
Martinez

es gibt wie immer zwei seiten der medaillie. kühlt man gin und wermut im eisfach herunter entsteht, natürlich bedingt, weniger schmelzwasser bei der zubereitung des drinks. allerdings ist es genau dieses schmelzwasser was den drink öffnet und glättet. dies setzt natürlich eine rasche arbeitsweise des bartenders voraus. ich persönlich bin kein freund von der eisfachmethode. ein dry martini cocktail ist nicht nur eiskalte zutaten miteinander vermischt. bei dem alibischuss wermut den viele zur anwendung bringen kann man dann den eiskalten gin auch direkt aus der flasche ins glas geben ohne überhaupt einen eiswürfel in den prozess einzubinden. das kann, mit richtiger präsentation wie im dukes hotel in london, schon seinen reiz haben, allerdings ist der drink dann wirklich ein killer.
viel interessanter ist es dem wermut mehr raum im drink zu gewähren und da wermut immer noch ein wein ist der zwar kälte verträgt aber eben bei zuviel davon einen teil seiner aromen versteckt ist es mir lieber er steht bestenfalls im kühlschrank. auch ein, zwei spritzer orange bitters geben zusätzlich komplexität und sind historisch fundiert.
da ist es relativ egal ob man die olive vorher oder nachher ist. ich nehme immer zwei und da stellt sich die frage nicht -eine zum start und eine zum ende. aber grundsätzlich sind gespülte oliven ein muss. es gibt wenig abstossenderes als ein fett/ölfilm auf einem martini.
puristen bemängelten in der vergangenheit sogar die zitronenschale als obstsalat.
zum wohl!
Nicht verzagen, Stephan fragen.
Mit Literatur über den Martini Cocktail kann man bekanntlich Bücherregale füllen, wenn nicht gar eine ganze Bücherwand. - Ich persönlich habe noch in keiner Bar bewusst wahrgenommen, dass Gin und Vermouth für den Martini Cocktail aus dem Kühlschrank geholt wurden, geschweige denn aus dem Tiefkühlfach. Hinreichend lange rühren langt völlig, mit viel und sehr kaltem Eis. Ein gefrostetes Glas (wenn man den Platz dafür hat) empfiehlt sich allerdings, das hält den Cocktail länger kalt. Oliven (gespült ist ein Muss, sie sollten in ihrer Lake und nicht in Öl gelagert sein - wenn es so was überhaupt gibt) oder Zeste ist Geschmackssache des Gastes. Allenfalls kann man darüber diskutieren, ob man die gesqueezte Zeste anschliessend ins Glas gibt oder nicht. Historisch fundiert ist sogar die mögliche Zugabe einer Kirsche. Wenn der Gast das möchte, dann aber bitte keine Maraschino-Kirsche, egal ob gespült oder nicht, sondern eine schlichte Kirsche mit Stiel. Ich habe das noch nie verlangt, weil heutzutage Dry Martinis mit einer Frucht als Garnitur out sind (Obstsalat...). Zu Zeiten eines Old Tom Gin mag das noch anders gewesen sein - da gab man sogar Zuckersirup in den Martini Cocktail (der sich dann allerdings nicht "dry" nannte" - das Verhältnis Gin zu Vermouth war einmal 1:1). Sollte der Bartender ob der Kirschenwunsches einen ungläubig-mitleidigen Gesichsausdruck aufsetzen, murmele man etwas wie "Harry Johnson, Seite 164" vor sich hin. Läuft der Bartender dann rot an, verlasse man die Bar, erbleicht er, kann man getrost bleiben und freudig erregt zusehen, wie ein Martini Cocktail nach einem 125 Jahre alten Rezept zubereitet wird.
Was das Vorher oder Nachher der Oliven betrifft: Weder gibt die Olive Geschmack ab (wie Helmut richtig bemerkt) noch saugt sie sich mit Gin voll (wie Martinez vielleicht meint). Sie verbreitet beim Zerkauen ihren eigenen bitteren Geschmack im Mund - also am besten "mittendrin" essen und mit dem Cocktail "nachspülen". Das lässt sich auch wiederholen - auf Nachfrage reicht man sicher noch Oliven nach. Man vermeide aber tunlichst das Servieren von Oliven in Wachteleigrösse (auch ein altes Thema - Harry Johnson verlangt ausdrücklich eine "medium-sized olive"). Sonst könnte der Gast auf die Idee kommen, man geize mit dem Gin...
Cheers and Sláinte!
Ah, endlich mal ein Thread zum Drink aller Drinks!
@Peter: an wirklich guten Literaturtipps zum Thema wäre ich sehr interessiert - bei mir steht "Gemixt, nicht gerührt - Das Martini-Buch" von den Mixology-Autoren Anastatia Miller und Jared Brown im Regal, das ich sehr empfehlen kann. Mit unzähligen Rezeptvarianten, etwas Historie, vollgestopft mit Anekdoten und süffisant geschrieben. Der Titel, ISBN usw. ist im dazugehörigen Wikipedia-Artikel (http://de.wikipedia.org/wiki/Martini_%28Cocktail%29) verlinkt, um den ich mich in stillen und nüchternen Stunden ab und an bemühe. Würde mich freuen, wenn der ein oder andere noch weitere Buchtipps auf der Diskussionsseite zum Artikel vorstellt (oder einfach hier erwähnt!).
Zu Martinez' frage nach der Olive (ich persönlich bevorzuge übrigens die großen mit Mandel gefüllten, allerdings ist das eine Mindermeinung!) - soll man sie vor, während oder nach dem Trinken, oder gar gar nicht verzehren? - antworte ich immer:
Natürlich gleich zu Anfang! Es ist schließlich ungesund, auf nüchternen Magen zu trinken!
(Ich persönlich genieße allerdings den allerersten, zarten, eiskalten, frischen Schluck und esse die Olive erst später ... )
Zum Wohl! Chris
Der Martini beschäftigt mich auch schon eine geraume Zeit.
Daher habe ich mich zu dieser Variante entschieden:
Ich Trinke ihn lieber mit etwas mehr Vermouth ;-)
6 cl Tanqueray Nr.10
2 cl Vermouth (Noilly Prat)
3 dash TBT Jerry Thomas Owen Decanter Bitters
Als erstes das Rührglas
24 Stunden vorgefrostet aus
der Truhe geholt
mit reichlich großen Eiswürfeln gefüllt 4x4 cm direkt
aus der Truhe -18 Grad
zuerst den Vermouth in das Rührglas gegeben
kurz gerührt dann die 6 cl Tanqueray Nr.10 dazugegeben
und jetzt das Highlight 3 dash TBT Jerry Thomas Owen Decanter Bitters dazugegeben , das ganze fast 3 min gerührt.
Ich denke es war etwas zu lang ? !! ? !!
beim nachmessen mit dem Jigger waren ers aber nur 1 cl Schmelzwasser
Die vorgekühlte Martinischale aus dem -18 Grad kalten Froster geholt und das ganze abgestraint.
(beim abstrainen hatte ich schon gemerkt das gemisch läuft wie öl aus dem Rührglas )
Oliven hatte ich keine daher nur mit einer Zitronenzeste
abgespritzt.
und jetzt gemütlich bei einer Bar-Lounge-classic cd (2) genossen
jetzt stellt sich natürlich die Frage
bin ich ein Kulturbanause oder nicht ?
Es wird ja viel angepriesen das unbedingt Orangebitter verwendet werden sollte ?!?!?!
Also vom Geschmack war ich auf jedem fall begeistert,
ganz erhlich gesagt:
mit dem Jerry Thomas Bitter schmeckt mir Persönlich der Martini am besten als mit Orangebitter .....
aber es ist ja eben Geschmackssache
cheers
Gruß comander02

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